Druckspeicher von Niveauregulierung wechseln, austauschen

  • Servus Leute,
    hatte mich gerade schon kurz vorgestellt und schreibe hier mal kurz über meine 1. Fahrwerksreparatur.
    Ist nicht für die Profis mit Hebebühne, eher für die Leute, die das noch nie gemacht haben.
    Es geht um die allseits geliebten Bulleneier ( auch Druckspeicher genannt ) Nicht verwechseln mit der 211er Airmatic Suspension
    Da findet man im www nicht allzuviel, fast nix, leider auch keine Fotos. Für die hatte ich dann auch keine Zeit und Gelegenheit.
    Auf youtube unter MERCEDESSOURCE , von Kent Bergsma, kann man unter " mercedes self leveling suspension " Part 1-13
    mal anschauen, wie die Dinger so aufgebaut sind und wo genau sie beim Kombi hängen.
    Nämlich jeweils links und rechts hinter den Hinterreifen, von Außen gut zu sehen. Sind mit 3 Stück 11er Schrauben an einem Haltewinkel am Unterboden befestigt.
    Von ihnen geht eine dünne ( wie Bremsleitung ) Druckleitung und eine dickere Leitung unter den Wagenboden.
    Werkzeug/ Ersatzteile:
    2 Hydrospeicher, z.B. von http://www.te-Taxiteile.com in Berlin , z.B. Hersteller CORTECO ( ob die was taugen sehe ich erst in ein paar Jahren, oder hat jemand Erfahrung damit ? )
    Nur die 2 Speicher, sonst nix, mehr braucht man nicht.
    Bremsleitungsschlüssel 11, 17
    Ne Menge Lappen/Tücher
    kleine Ölwanne/Tupperschüssel( :AuAu) vorsicht, Tupper kann Ärger geben !!!
    Gasbrenner
    Ringschlüssel 11 oder kleine Ratsche mit 11er Nuss
    Licht !!!
    Rangierwagenheber oder normale Wagenheber, 2 wären super
    Hydrauliköl für Zentralhydraulik, freigegeben für MB 344.0 zb Fuchs Titan ZH5364B
    Sprühöl und Unterbodenwachs und etwas Fett für Schrauben und Leitungsgewinde beim Zusammenbau.
    Zeit für Ungeübte und für beide Seiten ca. 3-4 Std., sonst normal so 2- 2 1/2 Std. mit Hebebühne noch schneller
    Auf gehts beim Schichtl:
    Wagen auf beiden Seiten aufbocken bis die Räder gut runterhängen. Müssen nicht zwingend frei sein.
    Zur Sicherung lange, dicke Holzblöcke oder ein paar Reifen unterlegen. Ohne Sicherung geht da gar nix !!
    Da fällt der Wagen auf die Blöcke/Reifen und nicht auf euren Kopf ( hoffentlich )
    Zum Lösen der großen Überwurfschraube/Leitungsschraube am Bullenei mit dem 17er muss man sich nämlich ganz schön reinhängen.
    Unter die Vorderräder beidseitig Bremsklötze unterlegen.
    Bei MotorTalk unter " Niveauregulierung Mercedes E-Klasse W124" gibt es ein Bild auf dem man den Regulierungsblock/Gehäuse mit dem Gestänge gut sehen kann.
    So, jetzt liegt man mit Licht und Sprühöl bewaffnet unter dem Wagenheck und sprüht ( wenn man es nicht schon Tage vorher von Außen gemacht hat ) die Schrauben und Leitungen
    an den Bulleneiern und das Gestänge der Niveauregulierung gut ein.
    Das Gestänge soll sich auch im zusammengebauten Zustand einige mm bewegen lassen. Ansonsten die Schrauben vom Gestänge lösen und gangbar machen. Hilft ja nix, muß sein.
    Jetzt in der Reihenfolge des geringsten Schadens weitermachen. Bei dieser Reihenfolge kann man immer zwischendurch aufhören und der Wagen bleibt fahrbar
    Die 3 Stück 11er Muttern, die das Bullenei im Winkel fixieren teilweise aufschrauben und wieder leicht festschrauben. Nicht ganz ab, sonst wackelt alles beim Lösen der Hydraulikleitungen und wenns blöd läuft knickt man zumindest die dünne Leitung ab/an.
    Man muß eben erst mal schauen, ob die 3 Schrauben überhaupt aufgehen. Erst dann sollte man mit dem nächsten Schritt weitermachen.
    Dann mit dem 11er Bremsleitungsschlüssel ( keinen normalen Gabelschlüssel verwenden, der rutscht garantiert durch und ruiniert die Überwurfmutter ) die kleine abgewinkelte Hydraulikleitung von der Seite des Bulleneis anlösen.
    Leicht anlösen, wieder leicht anziehen, wieder weiter lösen und so weiter. Es kommt sicher gleich Hydrauliköl aus der Leitung, deshalb eben gleich wieder anziehen. Lappen bereit halten !!! Elends-Sauerei !!
    Dann die Große ( 17er Bremsleitungsschlüssel ) Überwurfschraube/Überwurfmutter ( keine Ahnung wie man das Teil richtig nennt ) die hinten aus dem Bullenei rausgeht in gleicher Weise lösen. Für die braucht man gehörig Kraft !!!
    Wenn man gleich mit dem Gasbrenner ( Feuerzeug hilft hier nur wenig ) das hintere Teil des Bulleneis bearbeitet, in den die Leitung führt ( 1/2 bis 1 Minute geht schon ) , hat man auch gute Chancen die Schrauben der Leitungen zu lösen ohne die Gewinde zu ruinieren. Also gut heiß machen. Vorher Öl von den Leitungen abputzen, kann sonst brennen.
    Ach ja, für Pyromanen, die pro Ei gleich `ne ganze Gaskartusche verballern wollen, wäre ein bereitliegender Feuerlöscher angebracht.
    Brutale Gewalt ruiniert nur die Leitungen/Überwurfmuttern und man steht mit kaputter Hydraulik und vollgesautem Garagenboden da.
    Wenn diese 3 Gewinde gängig sind und gelöst werden können, kann man vom Bullenei erst die Leitungen lösen, dann erst die 3 St. 11er Befestigungsschrauben vom Haltewinkel.
    Diese Reihenfolge schützt die Gewinde !!
    Aus den Leitungen läuft die ganze Zeit Hydrauliköl in die Ärmel und ins Gesicht, dem Garagenboden passiert also nicht viel !!!
    Die Öffnung des Bulleneis möglichst nach oben halten, da kommen mal gerne 250-400ml Öl raus.
    Die "Prüfung" der Bullenei-Membrane, wie auf youtube vorgeschlagen ist meiner Meinung nach Käse. Wenn man schon mit dem Werkzeug unterm Wagen liegt und eine Leitung gelöst hat....
    Die Hauparbeit ist das Anlösen der Schrauben. Wenn da alles Zerstörungsfrei aufgeht, ist das Bullenei schon so gut wie gewechselt.
    So, unter dem Auto vorkriechen, fluchen, Bierchen genehmigen.
    Das neue Bullenei wird in umgekehrten Reihenfolge eingebaut.
    Zuerst in den Winkel einhängen. Dann die 3 St. 11er Muttern draufschrauben. Nicht ganz fest, soll noch etwas wackeln können.
    So kann man die Hydraulikleitungen schön gerade in die Schrauböffnungen des Bulleneis einschrauben.
    Schön vorsichtig, nicht verkanten. Erst nur mit den Fingern einschrauben, möglichst weit, damit die Gewinde nicht beschädigt werden. Das geht normalerweise ohne Probleme, wenn man kein Grobmotoriker ist.
    Erst dann die 3 St. 11er Muttern am Haltewinkel gut festziehen.
    Danach die Hydraulikleitungen weiter vorsichtig mit dem Bremsleitungsschlüssel/n ( 11 + 17 ) festziehen. Ganz so fest wie beim abschrauben muß es nicht sein.
    Bullenei und Leitungen Sauber machen und ab zur zweiten Seite.
    Ich habe die Leitung, bzw. das Niveauregulierungsgehäuse vorab nicht entlüftet, nur die Hinterachse entlastet. War beim 124er genauso, hat auch gut funktioiniert.
    Wagen ablassen und Motorhaube auf. Im Behälter der Zentralhydraulik müsste der Ölstand auf Minimum abgesunken sein.
    Das ist nicht so weil das ganze Öl jetzt auf dem Garagenboden ist, das war schon vorher im Fahrbetrieb so.
    Durch die kaputten Bullenei-Membranen ist ca. 500-700ml Hydrauliköl in den Bulleneiern verblieben. Dadurch ist der Ölstand im Behälter abgesunken.
    Umkehrschluß:
    Wenn man vorher sicher kein Öl nachgefüllt hat und der Ölstand im Behälter auf Min. gefallen ist, kann man sicher davon ausgehen, daß die Eier kaputt sind.
    Also nach der Reparatur wieder Öl auffüllen.
    Die Anlage hat sich nach ein paar Km Fahrbetrieb selbst entlüftet, da muß nichts mehr gemacht werden.
    Nach dieser Prozedur werden die Fondpassagiere wieder entspannt aussteigen und auch wieder gerne mitfahren.
    Haftung für Nachahmer übernehme ich natürlich keine. Wer also meine Beschreibung als 1:1 Anleitung übernimmt sollte vorher prüfen, ob er nicht sich und/oder andere Personen gefährdet,
    oder seine Garge/Haus abfackelt, bzw. vom eigenen Benz platt gemacht wird.
    In diesem Sinne, viel Spaß und Grüße
    Ronald

  • Viel geschrieben und einiges würde ich nicht so machen. Ich würde immer zuerst die dicke Leitung lösen und den Druck ablassen. Dann die dünne und zum Schluss die Schrauben mit denen das Bullenei festgeschraubt ist.
    Warum hast du eigentlich das Gestänge eingesprüht? Da muss man gar nicht ran um irgendwas einzustellen.
    Ich kann mir ausserdem nicht vorstellen das es sinnvoll ist da mit Feuer ran zugehen.
    Desweiteren ist es vollkommen egal ob die Befestigungsschrauben abreißen oder nicht da das Stehbolzen sind und neues Muttern bei den neuen Bulleneiern dabei sein sollten.
    Wenn man die Schrauben vom.Gestänge löst muss man hinterher wohl das Niveau neu einstellen, das ist aber nun überhaupt nicht nötig da das Gestänge gar nicht gelöst werden muss.
    Bei TE-Taxiteile gibt es einen Rep-Satz dafür. Da sind ausser den Bulleneiern auch Öl und Schutzhandschuhe dabei, das Öl ist nämlich sehr agressiv deswegen sollte man auch unbedingt darauf achten das es einem eben nicht überall hinläuft.

  • Servus,
    ich löse immer zuerst die Schrauben/Leitungen bei denen die Gefahr einer Beschädigung am größten ist.
    Mit den 3 St. 11er Schrauben am Haltewinkel habe ich angefangen, denn wenn da der Schraubenkopf kaputt geht , muß man mit einer großen Zange angreifen und den Stehbolzen abdrehen,oder mit einer Säge den Stehbolzen abtrennen.
    Das Werkzeug hat halt nicht jeder gleich zur Hand. Und wenn das nicht klappt, kann man die restliche Rep. gleich vergessen/verschieben.
    Das Gestänge habe ich eingesprüht, bzw. kontrolliert, weil ich da schon unter dem Auto liege und gut drankomme.
    Bei der Gelegenheit sprühe ich auch gleich alle Schrauben und Gewinde mit ein.
    Das Unterbodenwachs verteile ich bei der Gelegenheit auch gleich auf alle Teile und z.B. die Bremsleitungen.
    Die Gasflamme kann man ganz gut brauchen. Ohne würde ich diese Reparatur keinem empfehlen.
    Die großen Leitungen waren so fest, daß ich den Winkel verbogen habe, ohne daß sich die Schraube/Gewinde auch nur einen Milimeter gelöst hat.
    Der TE-Taxiteiel Rep.Satz hat das Hydrauliköl von VAICO.
    Das konnte ich in der Freigabeliste von Mercedes nicht finden. Wohl aber das Fuchs Titan ZH5364B. Das ist auf der Mercedes-Benz Seite ausdrücklich freigegeben und aufgeführt. Deshalb meine Wahl, obwohl teurer.
    Aber so hat halt jeder seine eigene Vorgehensweise.
    Wer schlau ist liest sich alle Rep.Vorschläge durch, wägt die Punkte gegeneinander ab und macht dann mit seinen Möglichkeiten sein eigenes Ding.
    Hat ja auch nicht jeder eine Garage, mache haben Helfer usw....
    In diesem Sinne
    ölige Grüße
    Ronald

  • Ich habe die Niveaudämpfer schon zweimal getauscht und die Bulleneier auch schon. Wenn die Muttern der Befestigung rund drehen ist es vollkommen egal ob das vor oder nach dem Lösen der Leitungen geschied. Wenn man beim lösen der dicken Leitung einen zweiten Schlüssel zum gegen halten benutzt verbiegt oder verdreht sich auch nichts.
    An die grosse Leitung mit einem Bremner ranzugehen halte ich für suboptimal weil die an einem Schlauch angeschlossen ist.

  • Servus nochmal,
    ja, die große Leitung geht in einen Schlauch über.
    Da muß man aber schon mehr als 2 Bierchen intus haben, wenn man den dann treffen will, sind ja schon gute 20cm Entfernung. Und die Leitung wird nicht so heiß, daß der Schlauch in Mitleidenschaft gezogen werden würde.
    Brenner ist meiner Meinung nach aber besser als mit Gewalt die Überwurfmutter kaputtzumachen.
    An der Verbindung ins Bullenei ist aber keine 2. Mutter zum gegenhalten !!! Die ist erst weiter oben am Übergansstück zum Schlauch. Und dieses Stück soll ja nicht gewechselt werden. ( oder heiß gemacht )
    Das ist nur nötig, wenn man die Schraubverbindung am Bullenei ruiniert hat.
    Wie gesagt, muß jeder für sich selber entscheiden ob er sich zutraut das Ende der Bulleneier heiß zu machen, oder ob er damit die Kiste abfackelt.
    Wer sich nicht sicher ist, soll es bleiben lassen, oder mit nem Helfer rangehen, der sich auskennt.
    Ich machs jedenfalls nicht ohne Gasbrenner.
    ölige Grüße
    Ronald

  • Wenn es dermassen fest ist sollte man die Verbindung zwischen Schlauch und Rohr lösen dann kann man das Bullenei in einen Schraubstock spannen um die Leitung am selbigen zu lösen.

  • Hey Ronald


    Super Beschreibung und vielleicht hast du deinen gar nicht mehr aber meiner tuts noch immer bis eben auf die Bulleneier.

    Entlüften traue ich mich nicht, das ist trotz mehrmaligem und täglichen einsprühen bombenfest, deswegen interessiert mich deine pragmatische Lösung sehr. Nur: was genau bedeutet Hinterachse entlasten, am Differential hochdrücken?

    Vielen Dank

    Florian

  • Du hast schon gesehen, dass du auf einen 8 Jahre alten Beitrag reagierst?

  • Naja, es ist aber zumindest sehr löblich, dass er offensichtlich die Suche bemüht hat bevor er schreibt :thumbup:


    Unter "Hinterachse entlasten" würd ich genau das annehmen: entweder den Wägen auf die Bühne oder eben mit dem Wagenheber am Diff hoch heben...

  • @H4 Danke für die Blumen und die Anleitung.

    An die anderen 2: ja habe ich... na und?!

  • Ich wüsste jetzt wirklich nicht was das anheben des fahrzeugs bringen soll, ausser das man dann besser arbeiten kann. Eine Druckentlastung findet praktisch nicht statt. In der Anlage sind ca. 200bar, wenn dann nicht irgendwo der Druck abgelassen wird, kann das böse enden.

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