Ich bin mal so frei und grabe das Thema aus.
Natürlich - heute ist die Idee wohl idealistischer denn je.
Aber: Wann wenn nicht jetzt könnte es relevant werden?
Schließlich bekommen die ersten 210er gerade ihr "H".
Ich frage mich, inwieweit es möglicherweise Erfolg verspräche, mit kleinen Schritten anzufangen und dann zu gegebener Zeit einen formellen Club auf die Beine zu stellen.
Daß es Liebhaber selbst abseitiger Fahrzeuge gibt, kann man z.B. in diesem charmanten Filmbericht sehen. Bei einem bekannten Typ wie dem 210 sollte das grundsätzlich anders sein?
In einem bekannten Nachbarforum hat 2013 - zehn Jahre nach Produktionseinstellung - jemand bekanntlich eigens eine detaillierte Kaufberatung zum 210 geschrieben: 60 Seiten lang. Der hat richtig Arbeit da reingesteckt. So was habe ich zu den hochgelobten W123 und 124 bislang nicht gefunden.
Es gibt also Leute, die sich für die Baureihe erwärmen können.
Vor allem dieses Argument von Frank leuchtet mir ein:
Zwei Gründe gibt es für mich, weshalb ich es für sinnvoll halte, die Liebhaber des W210 so früh wie möglich zu aktivieren. Zum Einen ist es die Erfahrung mit W123 und W124, wie schnell die Schlachtautos und billigen Gebrauchtteile rar werden, [...]. Zum Anderen ist der W210 das erste Volumenmodell von Mercedes, wo eine gute Dokumentation und das Sammeln von guten Teilen in wenigen Jahren überlebenswichtig werden wird.
Das hat Frank vor acht Jahren geschrieben. Die Zeit läuft also offenbar gegen diejenigen, die ihren 210 erhalten wollen.
Mit Blick hierauf...
bis eine feste Truppe zusammensteht, die die jeweiligen Teilaufgaben übernimmt.
... ist vielleicht eines der Probleme, daß Leute wie ich - ohne jegliche Vereinserfahrung - keine Ahnung haben, was es denn da überhaupt für "Teilaufgaben" gibt. Folglich legen wir auch deshalb die Hände in den Schoß und lassen uns entmutigen.
Evtl. wäre es hilfreich, von erfahrenerer Seite her knapp zu skizzieren, wie die "Aufgaben" denn grundsätzlich aussehen. Auch um Schwellenängste abzubauen?
geht es anschliessend ans Zusammentragen von Wissen, eine Sache, die besonders beim W210 in einigen Jahren lebenserhaltend werden kann.
[...]
Meine Frage vorab wäre daher, wie professionell das Ganze angelegt werden soll - als echter Modell-Club und "Botschafter" für den W210, oder als kleine Austausch-Plattform und Kaffeekränzchen ?
Nun frage ich mich: Muß man das in Zeiten, in denen die Mehrzahl bekanntermaßen nicht für verbindliches Engagement zu gewinnen ist, von vornherein mit dem besagten Club- und Botschafter-Anspruch aufziehen - oder wäre es alternativ denkbar, statt einer für immer "kleinen" eine erst kleine, dann aber langsam wachsende "Austausch-Plattform" (eben nicht nur "Kaffeekränzchen") zu initiieren?
Man könnte auch daran denken, die weiter oben in diesem Faden geschilderten typischen Zwecke eines Clubs - die Unverbindliche möglicherweise direkt abschrecken - etwas einzudampfen: auf die Lösung des von Frank genannten Kernproblems, das betriebsfähige "Überleben" der Fahrzeuge zu sichern.
Dazu müßte man nicht mal geographisch nah beieinander sitzen oder gar physische Treffen organisieren - da ginge sicherlich das meiste digital.
Treffen und ähnliches organiseren könnte man dann zu fortgeschrittenen Zeitpunkten immer noch. Etwa für eine gemeinschaftliche Rostbekämpfungs- oder Mike-Sanders-Hohlraumaktion oder was auch immer.
Man könnte als Anschubhilfe schon vom Fleck weg aus Foren einiges an Wissen zusammentragen, was zwar geschrieben wurde, vor teilweise vielen Jahren - aber (!) man müßte mitunter lange suchen, um es überhaupt zu finden. Die Know-how-Suche in den Beiträgen in den sog. sozialen Netzwerken ist bekanntlich noch aufwendiger. Soviel wie möglich von diesem Zeug zusammenzutragen, wäre aller Ehren wert.
Denn...
Beim W210 ist es wichtiger als bei den Baureihen davor, so früh wie möglich damit anzufangen, die Dinge zusammenzutragen, die man später braucht, um ihn als Oldtimer am Leben zu halten.
... brauche ich dazu von Anfang an einen formellen Club - oder läßt sich dieses "Zusammentragen" zu Beginn erst mal auch schon auf niedrigerer Stufe bewerkstelligen?
Wenn ich also richtig sehe, war man bei Benz bislang nicht dafür zu gewinnen, den noch vorhandenen 210 und den an ihrem Erhalt Interessierten mit ähnlichem Engagement zu begegnen, wie wenn es um W123 oder /8 geht.
Gut, das ist sehr schade.
Aber...
Sind nicht auch andere Wege des "Zusammentragens" denkbar - zu Beginn eher auf der Graswurzelebene?
Spontan fiele mir ein:
- natürlich erst mal das gesammelte Wissen vieler Schrauber, an die man heute ungleich leichter herankäme als zu analogen Vor-Internet-Zeiten; auch in scheinbar abseitigeren Gegenden: im C-Klasse-Forum z.B. sind einige unterwegs, die auch 210-Erfahrung haben - oder deren Erfahrungen sich vom 202 auf den 210 übertragen lassen.
- In freien Werkstätten sollte es doch das eine oder andere an Leuten geben, die den 210 möglicherweise sogar mochten und folglich Freude daran hätten, mit ihrem (womöglich verschütteten) Wissen zum Erhalt der übriggebliebenen Exemplare beizutragen. Mir kann keiner erzählen, daß alle Kfz-Schlosser aller Werkstätten bis heute sofort Brechreiz kriegen, wenn sie vom 210 hören.
- Vielleicht gibt es Wohlwollende sogar in der einen oder anderen Vertragswerkstatt: ich erinnere mich, bei einem Problem mit meinem 202 vor Jahren mal in einer auf Oldtimer spezialisierten Vertretung jemanden aus der Werkstatt am Telefon gehabt zu haben, der wirklich zugänglich wirkte. Der 210 war für mich da kein Thema - aber bei Benz ist man offenbar mit Blick auf 90er-Jahre-Autos nicht nur muffig und zugeknöpft.
- Ich denke auch an heute verrentete Meister. Einen - früher Betreiber einer auf Benz spezialisierten freien Werkstatt - kenne ich flüchtig hier z.B. bei mir im Vorort; er hat zehn Jahre lang meinen 202 gewartet. Er winkt zwar beim Stichwort "210" heute geradezu pawlow-artig ab und verweist vehement auf das Rostproblem - aber an das eine oder andere rund um den 210 erinnern wird er sich bestimmt.
- Und dann die eigentliche Konstrukteurs-Ebene: Sacco hat den 210 sicherlich nicht allein gebaut, sondern mit fleißigen Helferlein. Ich könnte mir vorstellen, daß es da den einen oder anderen gibt, der Anfang/Mitte der 90er viel Gehirnschmalz und möglicherweise sogar Ingenieurs-Herzblut in Details der Baureihe gesteckt hat und dann frustriert war zu sehen, wie sein Werk bei der Blechbearbeitung und Lackierung im Zeichen von "Geiz ist geil" vor die Wand gesetzt wurde. Diese Leute werden heute in Rente sein - aber noch wird es sie geben; und das Problem ist vielleicht nur, sie zu finden. Wer möchte von vornherein ausschließen, was da nicht auf allen möglichen Wegen des Sich-Durchfragens machbar wäre?
Und wenn [...] evtl. sogar eine Strategie daraus geworden ist, W210-Fahrer aktiv anzusprechen,
Kommunikationsmäßig sind wir heute acht Jahre und vor allem eine Pandemie weiter. Heute laufen Sachen digital, per Videokonferenz oder wie auch immer, an die 2017 keiner im Traum gedacht hätte.
In den einschlägigen Foren äußern sich 210-Fahrer immer noch. Vielleicht wirkt ein Club-Vorhaben dann deutlich anziehender auf Außenstehende, sobald man erst mal auf bereits "Zusammengetragenes" - siehe oben - verweisen kann. Analog zum bekannten Schneeball-Effekt - in dem Sinne: Es kommt was dabei raus, und es lohnt sich, mitzumachen.
Bei beiden Vorgängerbaureihen des W210, dem W123 und W124, haben die offiziellen Clubs mit ihrer Arbeit angefangen, als die Autos ungefähr zehn Jahre vom Markt waren, und ich wage mal zu behaupten, dass die Tätigkeit der Clubs mehr zu dem heutigen Ansehen dieser Baureihen als Oldie beigetragen hat als die vermeintlich bessere Qualität.
Kommt mir auch so vor, daß bei aller verständlichen Verehrung des 124 gern mal alles in einen Topf geschmissen wird und die Klischeevorstellung gar keine Kenntnis vom Wasserlack-Problem der letzten Baujahre nimmt: als ob das Übel erst mit dem schlimmenschlimmen 210 angefangen hätte.
Wie Frank schon schrieb:
ein W210 rostet, ja, ja, ja. Aber rostet ein W124 nicht ? oder ein W123 ? oder eine Flosse ? Oder als ganz extremes Beispiel ein /8 ? Und trotzdem sind das alles anerkannte Mercedes Veteranen mit Typenclub und vollem Support, und niemand erklärt Leute, die sowas machen, zu Spackos, wie das hier der Fall ist.
[...]
Als der W123 so alt war wie der W210 jetzt, war er schon selbstverständlicher Teil der Mercedes Veteranenszene, beim W210 streitet man sich dagegen in Threads wie diesem hier darüber, ob er schon das Alter erreicht hätte, um sich überhaupt Gedanken darüber zu machen.
Eben. Mir scheint, zu viele 210-Fahrer lassen sich von den Vorurteilen anderer Leute bestimmen.
Von Leuten, die noch nie in einem 210 gesessen haben - oder die ihn von vornherein nicht mochten, weil sie geschmacklich mit den runden Scheinwerfern nicht klarkamen.
Nachtrag: Ich habe vergessen zu betonen (weil ich es selbstverständlich finde), daß das besagte "Zusammentragen" von Wissen natürlich nur komplett auf dem Boden der Legalität unter Wahrung aller Benz- und sonstigen Urheberrechte denkbar wäre.